Weil am Rhein



1999 war das Jahr der Landesgartenschau in Weil. Die Multinationalität durch die Lage im Dreiländereck hat sich ausgewirkt. Mehr als die Hälfte aller Besucher kamen aus dem benachbarten Ausland.
Die Erwartungen der Veranstalter wurden nur teilweise erfüllt. Es kamen etwa 100.000 Zuschauer weniger als kalkuliert. Doch liegt das Ergebnis mit 750.000 zahlenden Besuchern immer noch um einiges über dem vorangegangener Veranstaltungen.

Bei unseren Schweizer Nachbarn stößt das Areal der Landesgartenschau auf sehr großes Interesse. Das Naherholungsgebiet "Lange Erlen" der Nachbarstadt Basel grenzt direkt an das Gartenschaugelände an. Damit entstand nach dem Ende der Gartenschau ein großes, grenzüberschreitendes Freizeitgebiet.
 
 

Weitere Reste der Gartenschau bleiben der Nachwelt erhalten, wie der Treppenturm für den Zugang aus der Gartenstadt oder der Info-Pavillon des Landes Baden-Württemberg, der Hadid-Bau.
Von der persischen Star-Architektin Zaha Hadid entworfen, ist dieses Gebäude eine architektonische Besonderheit, die Weil weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt macht. Das Time-Magazin würdigte dieses Werk mit einem Designerpreis.
Das Kunstmagazin "Art" widmet in seinem Artikel über Zaha Hadid einen breiten Raum diesem Gebäude, sowie dem ebenfalls von ihr entworfenen Feuerwehrhaus der Firma Vitra in Weil.

Vitra ist ein bedeutender Büromöbelhersteller. Um nun etwas ausgefallene und einmalige Werbung für Weil zu machen, wurde der Stuhl zum Symbol für Weil erklärt. An allen Ecken und Enden von Weil fällt man über mehr oder weniger monströse Exponate. Der vorläufige Höhepunkt des Stuhlfiebers entlud sich im Versuch ins Guinness-Buch der Rekorde zu kommen, mit der längsten Stuhlkette der Welt (2340 notariell beglaubigte Teilnehmer).

Spötter behaupten Wilma, die  Weiler Werbekuh, würde die Bürger Weils darstellen. An jedem ihrer Euter sitze ein Steuereintreiber und hole auch noch das Letzte heraus.

Weil ist mit seiner Lage in der Dreiländerecke Schweiz - Deutschland - Frankreich vor allem eine Stadt der Supermärkte, die wie überall an der Peripherie der Stadt liegen, z.B. in den Ortsteilen Friedlingen oder Haltingen. Ein Großteil des Umsatzes wird mit Kunden aus den Nachbarländern getätigt.
Nur, schlafen die anderen Städte der näheren Umgebung, wie z. B. Lörrach, auch nicht. Sie wollen ein Stück von dem Kuchen "Einkaufstourismus" abhaben. Hier hat aber Weil mit seinen vielen noch kostenlosen Parkplätzen die Nase noch vorn.

Nun hat die Stadt, auf Anregung aus den Reihen der Gewerbetreibenden, erkannt, Weil braucht eine Fußgängerzone, denn das (nicht vorhandene) Zentrum muss attraktiver werden. Also wurde ein Teil der Hauptstraße verengt und zur Tempo 20 Zone erklärt.
Nur fehlen für eine ansprechende Fußgängerzone die "Highlights". Mit ein paar Kneipen mit Aussenbestuhlung ist es nicht getan. Die Einheimischen danken es mit massiver Kaufkraftabwanderung in die Umgebung, wie eine Studie beweist.
Weiterer "Erfolg" der Aktion: Der Verkehr wird mangels akzeptabler Verkehrswege rigoros in die Wohngebiete abgedrängt.

Wenn es tagelang regnet und vielleicht noch die Schneeschmelze im Schwarzwald oder in den Alpen dazukommt, gibt es auch im alten Rhein richtig viel Wasser. An sonsten wird das meiste Wasser für den neuen Rhein gebraucht. Diese, auch Rheinkanal genannte Wasserstraße ist ein mit dem Lineal gezogener Wirtschaftsfaktor. Natur ist hier nicht erwünscht, es regieren Beton und Asphalt.

Die Reste des alten Stromes Rhein blieben teilweise erhalten und sind zu einem auch in der weiteren Umgebung beliebtes Naherholungs- und Naturschutzgebiet geworden. Jetzt wird es von einer groß angelegten, angeblich zum Hochwasserschutz für den Kölner Raum erforderlichen, Ausbaggerung bedroht.

Normalerweise kann man den alten Rhein unterhalb des Märkter Stauwehrs fast zu Fuß durchqueren. Aber an einigen wenigen Tagen im Jahr zeigt der Strom, dass man ihn doch nicht bändigen kann. Wenn die Schleusen am Märkter Stauwehr geöffnet werden müssen, sieht er richtig gefährlich aus.

Ein Traum für Wildwasserfreaks.
 

Das im ehemaligen Rangierbahnhof Basel brach liegende Gelände ist zum Streitobjekt zwischen Natur und Kommerz geworden. Auf dem Gelände sind in größerem Umfang seltene und zum Teil in der Region einmalige Pflanzen und Tiere gefunden worden. Diese Naturparadies aus zweiter Hand ist nun aber von zwei Seiten bedroht. Einmal von der Natur selbst, denn die bisherigen Kahlflächen wachsen immer mehr mit Büschen und Sträuchern zu. Zum Anderen weckt ein so großes, eigentlich verkehrstechnisch gut erschlossenes Gelände die Begehrlichkeiten von Eigentümer und Investoren: Güterverkehrszetrum, Gewerbegebiet, Wohngebiet usw.

Ein neues Highlight in Sachen öffentliche Aufregung ist der viergleisige Ausbau der Eisenbahnstrecke Karlsruhe - Basel. Wegen der damit verbundenen umfangreichen Eingriffe herrscht derzeit helle Aufregung bei Bürgern und Behörden, insbesondere im Ortsteil Haltingen. Hier wird von Stadtverwaltung und Bürgern ein Tunnel gewünscht, der der Eisenbahn aber zu teuer ist. Die Entscheidung werden wohl die Gerichte treffen. 

Wer auf grosser Reise an Weil vorbeifährt, sollte einen Blick auf seine Tankuhr werfen. Dieselfahrer sollten noch in Deutschland tanken, das Benzin ist in der Schweiz erheblich billiger (1,04 Eur am 03.03.06) als in Deutschland.
 
 

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Letzter Aktualisierung  21.09.2005